Die Eisbachwelle kommt zurück!
Nach monatelangem Hin und Her gibt es endlich gute Nachrichten für die Münchner Surf-Community: Am 9. Januar haben sich Oberbürgermeister Dieter Reiter und Vertreter der Surfer-Community auf einen Pilotversuch geeinigt, der die Eisbachwelle zurück ins Wasser bringen soll. Nach Wochen der Frustration, verfahrener Gespräche und bürokratischer Gängelei fühlt sich das wie ein echtes Wunder an. Besonders beeindruckend ist, dass dieses Durchbruch-Treffen im Rathaus nur eineinhalb Stunden gedauert hat – kompromissorientiert und lösungsfokussiert statt verhärtet.

Der lange Kampf um die Welle
Um die aktuelle Situation zu verstehen, muss man ein wenig in der Geschichte zurückblättern. Die Eisbachwelle ist nicht einfach irgendeine Surfspot – sie ist eine Legende. Weltweit bekannt, Touristen zieht sie zu jeder Jahreszeit an, und für passonierte Flusssurfer ist sie schlicht das Höchste der Gefühle. Doch im Oktober 2025 kam das Unglück: Das städtische Baureferat führte Reinigungsarbeiten durch und befreite das Bachbett von Unrat und Sedimenten. Die Folge war verheerend – die Welle baute sich danach nicht mehr wie gewohnt auf.
Das setzte eine Odyssee in Gang, die zeigt, wie zäh es sein kann, wenn Verwaltung und Sportler aufeinandertreffen. Der Grund war simpel, aber knifflig: die Haftungsfrage. Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schiefgeht? Die Stadt wollte rechtssicher abgesichert sein, die Surfer sahen sich in einem Bürokratie-Labyrinth gefangen.
Im April vergangenen Jahres war eine tragische Unfallerin nach einem schweren Unglück an der Eisbachwelle gestorben – ihre Fangleine hatte sich unter Wasser verfangen. Dieser tragische Vorfall hatte die Situation zusätzlich belastet und die städtische Seite vorsichtig gemacht. Verständlich, aber auch schmerzhaft für eine Gemeinschaft, die nur eines wollte: wieder surfen.
Ein Kompromiss, der funktioniert
Hier kommt der knifflige Teil: Die Eisbach-Surfer versuchten, die Welle selbst zu retten. Über Weihnachten setzten sie eine nicht genehmigte Rampe ein – immerhin konnte wieder kurzzeitig auf der Welle gesurft werden. Die Feuerwehr entfernte die Rampe aber schnell wieder, und die Gespräche gerieten ins Stocken.
Das Friday-Treffen vom 9. Januar war dann der Wendepunkt. Die beteiligten Akteure – neben OB Reiter und den Surfern auch Vertreter des Wasserwirtschaftsamts, der Stadtverwaltung und Strömungsexperte Robert Meier-Staude – einigten sich auf einen neuen Weg. Und dieser Weg ist tatsächlich clever aufgebaut.
Die Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) und der Münchner Surfclub übernehmen die volle Verantwortung und Haftung für den Versuch. Lange war genau das der Knackpunkt – jetzt haben die Surfer selbst gesagt: „Ja, wir haften dafür.“ Das ist ein großer Vertrauensbeweis, aber auch ein Signal von Seriosität.
Die Stadt wiederum macht die technische und statische Untersuchung der Bauwerke und stellt sicher, dass die Leitstellen 24/7 für Notfälle erreichbar sind. Ein fairer Deal, der beiden Seiten entgegenkommt.
Wann geht’s los?
Das ist derzeit noch die große Frage. Ein konkreter Starttermin steht noch nicht fest, aber das Frühjahr wird angepeilt. Im Februar soll es ein Folgetreffen geben, um die finalen Details zu klären. Bis dahin müssen noch konkrete Vorgaben für den Versuch ausgearbeitet werden – wer darf surfen, unter welchen Bedingungen, was ist mit der Sicherheit.
Als Surflehrer, der die Szene kennt, kann ich sagen: Das ist realistisch. Und für viele von uns ist schon die Ankündigung ein Riesenschritt nach vorne.
Perspektive für die Zukunft
Das Besondere am Pilotversuch ist seine mittelfristige Perspektive. Sollte der Test erfolgreich sein, wird diskutiert, ob die Eisbachwelle langfristig von der Stadt selbst betrieben werden könnte. Das wäre das beste aller Szenarien – eine dauerhaft sichere, legale und betreute Surfmöglichkeit mitten in München.
Martin Grün, Präsident des Surfclubs München, drückte es treffend aus: „Der Oberbürgermeister hat sich verpflichtet, dass absolut klar ist, dass dort wieder langfristig gesurft werden muss.“ Mit der Eigenverantwortung hätten die Surfer kein Problem. Das ist exakt die richtige Mentalität – Profis übernehmen Verantwortung, und das wird respektiert.
Quellen
- Die Zeit – Eisbachwelle: Surfer und Stadt einigen sich auf Pilotversuch (https://www.zeit.de/news/2026-01/09/eisbachwelle-surfer-und-stadt-einigen-sich-auf-pilotversuch)
- t-online – Eisbachwelle in München: Pilotprojekt soll Attraktion wiederbeleben (https://muenchen.t-online.de/region/muenchen/id_101076208/)
- TAG24 – Eisbachwelle in München: Surfer übernehmen Haftung bei Pilotversuch (https://www.tag24.de/muenchen/kultur-leute/eisbachwelle-in-muenchen-surfer-uebernehmen-haftung-bei-pilotversuch-3457196)
- Landeshauptstadt München – Eisbachwelle: Einigung auf Projektversuch (https://ru.muenchen.de/2026/6/Eisbachwelle-Einigung-auf-Projektversuch-122250)
- BILD – Projektversuch soll Eisbachwelle in München retten (https://www.bild.de/regional/muenchen/projektversuch-soll-eisbachwelle-in-muenchen-retten-69613bf90e8ad021f5547312)
- Abendzeitung München – Eisbachwelle: OB Reiter findet Kompromiss mit den Surfern (https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/eisbachwelle-kompromiss-zwischen-ob-reiter-und-surfern-ermoeglicht-projektversuch-3457239)
- Süddeutsche Zeitung – Münchner Eisbachwelle – Surfer dürfen demnächst zurück (https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-eisbachwelle-surfen-rechtliche-lage-freigabe-wann-li.3364557)