Winterzauber an der Fuchslochwelle

Wer mich kennt, weiß: Ich bin eigentlich auf der Suche nach Wellen. Das Meer, die perfekten Bedingungen, das ganze Paket eben. Aber in der letzten Zeit habe ich gelernt, dass man nicht immer ans Meer fahren muss, um echten Surfstoke zu erleben. Nürnberg beweist das eindrucksvoll – mit einer Welle mitten in der Stadt, die selbst im Winter bei frostigen Temperaturen Surfer anzieht, die nicht nachgeben wollen. Und das ist verdammt inspirierend.

Der lange Traum wurde Realität

Die Geschichte der Fuchslochwelle ist eigentlich eine Liebesgeschichte zwischen einer Stadt und einem Sport. 2011 entstand die Idee bei Planungen zum Wöhrder See. Eine Handvoll begeisterter Surfer schloss sich 2012 zusammen und gründete die gemeinnützige Initiative „Nürnberger Dauerwelle e.V.“. Was folgte, war ein Marathon aus Genehmigungsverfahren, das neun Jahre dauerte. Baugenehmigung erst 2017, Spatenstich 2020, Eröffnung endlich am 25. März 2022. Das ist nicht einfach eine Welle – das ist der beweis für echtes Durchhaltevermögen.

Die Verantwortlichen arbeiten mit der deutschen Firma Dreamwave und der Universität Innsbruck zusammen, um ein innovatives System zu schaffen. Das Ergebnis ist faszinierend: eine acht Meter breite, halbnatürliche Welle, die komplett ohne zusätzliche Stromkosten funktioniert. Das Wasser der Pegnitz wird durch ein cleveres Wehr umgelenkt in einen parallel angelegten Kanal, fließt über eine verstellbare Wellenrampe und erzeugt beim Auftreffen auf stehendes Wasser eine Welle. Einfach elegant.

Fuchsloch welle Nürberg Pegnitz in LSG Pegnitztal West 2025-02-09_01 es ist die Betonkonstruktion und die Welle mit 3 Surfern zu sehen

Winter, frostige Temperaturen – und die Surfer kommen trotzdem

Was mich wirklich beeindruckt: Während andere Sportler in dieser Jahreszeit gemütlich zu Hause sitzen, findet an der Fuchslochwelle ein reger Betrieb statt. Im Januar 2026 haben Reporter die Szene beobachtet und waren sichtlich überrascht – bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt paddeln hier Menschen raus, stellen sich auf ihre Bretter und surfen wie wild.

Clara Scheller, eine der Surferinnen, bringt es auf den Punkt: Jedes Mal ist es ein Workout, im Neoprenanzug aus dem Wasser zu kommen – „aber es lohnt sich auf jeden Fall“. Sie ist 2024 mit dem Surfen angefangen und wurde schnell zur regelmäßigen Gästin. Das ist die echte Energie, die ich an der Surf-Community liebe. Nicht die Posting-und-Likes-Mentalität, sondern echte, tiefe Leidenschaft.​

Die Community an der Pegnitz ist mittlerweile wirklich engagiert. Rund 500 Vereinsmitglieder surfen inzwischen regelmäßig. Der Verein hat es geschafft, sieben Tage die Woche einen Betrieb aufrechtzuerhalten – das ist in dieser Größenordnung nicht trivial.

Technik trifft auf Ehrenamt – Das Erfolgsgeheimnis

Was beeindruckend ist: Die Wellenanlage funktioniert nicht wie eine typische kommerzielle Wave Pool Installation. Es gibt keinen riesigen Energieverbrauch, keine aufgeblasenen Marketingversprechen. Stattdessen: echte technische Innovation kombiniert mit unbeugsamen Ehrenamtlern.

Daniel Dehler, verantwortlich für die Wellenpflege, ist quasi der Wellenchef. Er sitzt mit einem Tablet am Beckenrand und steuert die Wasserzufuhr, optimiert die Rampenposition und justiert nach, was nötig ist. Das klingt einfach, ist aber eine hochgradig anspruchsvolle Aufgabe. Die oberste Priorität: Sicherheit, ohne dabei den Spaß zu opfern. „Das bedeutet, die Welle so anzupassen, dass keine Gefahr für Surfer entsteht und gleichzeitig maximaler Spaß gewährleistet ist“, erklärt er.

Ein Detail, das mich persönlich fasziniert: Anders als an der Eisbachwelle in München kann hier eine Fangleine nicht zur tödlichen Falle werden. Die Nürnberger haben das System bewusst so gestaltet, dass solche Tragödien ausgeschlossen sind. Das ist verantwortungsvoller Umgang mit einer Sportanlage.

Sauna mit Blick auf die Welle – Das ist Bayern

Und jetzt kommt der Wahnsinn: Wer nach einem frostigen Wellenritt mit zitternden Fingern aus dem Wasser kommt, muss nicht lange leiden. Am Ufer der Pegnitz hat sich eine Sauna angesiedelt – mit Panoramablick direkt auf die Surf-Action. Das ist nicht nur praktisch, es ist auch ein starkes Statement: Surfen ist hier nicht randständig, sondern ein akzeptierter, anerkannter Sport mitten in der Stadt.

Für Anfänger bis Profis – Das ist echte Inklusion

Das Beeindruckende ist die Flexibilität des Systems. Weil die Wellenrampe aus drei unabhängigen Modulen besteht, kann die Breite und Qualität der Welle je nach Wasserstand und Anforderungen justiert werden. Das bedeutet: Anfänger bekommen eine sanfte, kontrollierbare Welle, während Pros ein anspruchsvolleres Setup nutzen können.

Kinder ab 12 Jahren und mit 35 kg Mindestgewicht dürfen mitfahren – mit entsprechender Aufsicht. Regelmäßig werden Anfängerkurse angeboten, Jugendliche bekommen spezielle Slots, und professionelle Wettbewerbe wie die Deutschen Meisterschaften im Rapid Surfing haben hier schon stattgefunden.

Das ist nicht nur Breitensport – das ist echte Inklusion im modernen Sinne.

Praktisches: So kommt ihr hin

Die Lage ist optimal: Direkt am Pegnitz-Radweg im Stadtteil Schniegling. Mit der U-Bahn U1 bis Muggenhof (8 Minuten Fußweg), mit dem Bus 37, 38 oder 39 bis Schniegling (4 Minuten). Oder – und das ist die beste Option – mit dem Fahrrad entlang der Pegnitz.

Für Nicht-Mitglieder kostet eine 90-minütige Session etwa 15 Euro. Vereinsmitglieder zahlen 20 Euro monatlich und haben unlimitierten Zugang. Die öffentlichen Surfzeiten gibt es hauptsächlich am Wochenende, können aber ganz einfach über die Website oder App gebucht werden.

Das Winter-Update

Der aktuelle Stand (Januar 2026): Surfen geht ganzjährig, solange die Pegnitz nicht Hochwasser führt. Der Winter ist sogar spannend – denn wer bei Frosttemperaturen noch surft, wird zum echten Teil einer echten Community. Das ist keine Poseur-Mentalität. Das ist Leidenschaft im Reinkultur.

Quellen

Kategorien: Surfen