Adelboden, Samstag, Chuenisbärgli. Dicke Schneeflocken, lausige Sicht, und Marco Odermatt fährt einfach weg. Fünfter Sieg in Serie am Chuenisbärgli – noch nie hat das einer geschafft. Ingemar Stenmark hielt den Rekord mit vier Erfolgen von 1979 bis 1982. Jetzt ist er Geschichte. Die Zeit: 2:31,23 Minuten. Punkt. Braathen 0,49 Sekunden dahinter, Anguenot 0,68. Rund 30.000 Fans im Stadion – der Wahnsinn.
Was macht Odermatt eigentlich anders? Bei der Siegerehrung am Abend sagt er: „Es wird immer viel erwartet von mir, wenn ich hierhin komme.“ Der Druck ist größer als irgendwo sonst, und trotzdem – oder gerade deswegen – liefert er jedes Mal ab. Im ersten Lauf dominiert er, im zweiten auch. Die Bedingungen sind katastrophal, alle fahren in den gleichen Verhältnissen, und trotzdem wirkt es fast, als würde dieser Typ noch sehen, wenn anderen längst die Sicht weg ist. Sein Gefühl, sagt er, das ist es.
Siege, die sich häufen – Marcos Rekord-Serie auf dem Chuenisbärgli
2022 fing es an. Seitdem immer wieder Adelboden – und immer Sieg:
- 2022 – Erster Triumph am liebsten Hang, der Beginn einer Serie
- 2023 – Zweiter Sieg hintereinander, der Mythos wächst
- 2024 – Drei in Folge, Adelboden wird sein Wohnzimmer
- 2025 – Nummer vier, jetzt gleich mit Stenmark
- 2026 – Fünfter Sieg, allein an der Spitze

Mit diesem Sieg hat Odermatt insgesamt 51 Weltcup-Erfolge auf dem Konto – und im Riesenslalom sind es schon 29. Der 28-Jährige dominiert vier Disziplinen-Wertungen auf einmal: Gesamtweltcup, Riesenslalom, Abfahrt und Super-G. In gut drei Wochen starten die Olympischen Spiele, und dieser Typ ist näher dran als jeder andere.
Braathen und das Comeback – Fünf Jahre Angst überwunden
Das emotionalere Rennen gehört aber Lucas Pinheiro Braathen. Im Januar 2021 crasht der damals 20-Jährige hier – zu schnell ins Ziel, Sturz, Seitenbandverletzung am Knie, schwer, Operation, lange Ausfallzeit. Danach was? Angst. Richtige, echte Angst vor diesem Steilhang. Der Psycholog hätte seine Freude dran.
2022 kommt er zurück auf den Chuenisbärgli, schafft es nicht die ganze Piste, bricht einfach ab. Die nächsten Jahre: immer wieder raus aus dem Rennen. Einfach too much, psychisch. Therapie, sagt Braathen später, viel Therapie. Speziell für dieses Rennen.
Und Samstag? Platz zwei. Ins Ziel gekommen. Die Tränen fließen im Interview. „Das ist das erste Resultat hier nach meinem Sturz. Ich habe ein Trauma von dieser Piste. Ich habe so viel Angst vor dem letzten Steilhang gehabt,“ sagt Braathen, 25 Jahre alt, und dir ist klar: Für diesen Typen ist das ein größerer Sieg als jede Goldmedaille.
Der kleine Typ kommt mit einem blutenden Finger ins Interview. Hat keine Ahnung, wo der herkommt – das Adrenalin macht blind. „Ich hätte einen Finger verlieren können und würde nichts fühlen,“ lacht er. So ein Adrenalin-Rausch.
Anguenot und die dritte Etage – Ein Franzose mit Herz
Dritter wird Léo Anguenot, 0,68 Sekunden zurück. Es ist sein zweites Weltcup-Podium überhaupt – und beim ersten war die Freude genauso riesig. Der Franzose hatte lange nichts laufen lassen, jetzt plötzlich: zwei Top-Drei-Ergebnisse in dieser Saison. Nach der Ziellinie sitzt auch bei ihm die Emotion im Hals. „Adelboden: Ich liebe dich,“ brüllt er in die Kameras. Das Rennen hatte er sich immer angeschaut, damals als kleiner Junge – jetzt steht er drauf.
Quellen & Infos
- Sport1.de: Odermatt siegt überlegen und knackt Rekord sport1
- SRF: 5. Adelboden-Triumph in Serie srf
- Bluewin.ch: Braathen überwindet sein Trauma bluewin
- Watson.ch: Odermatt scherzt bei Siegerehrung watson
- Heute.at: Braathen gesteht – hatte Angst vor dem Hang heute
- Wikipedia: Léo Anguenot Karriere wikipedia